Vorlagen für die Zusammenarbeit

Zehn Vorlagen zum Abschreiben – Übergabe, Besprechung, Wochenplan, Einarbeitung, Vertretung, Abschluss, Mängel, Material, Kundenanfrage, Tagesabschluss. Kurz genug, dass sie benutzt werden.

Zuletzt aktualisiert am 5. Oktober 2026 12 Minuten Lesezeit

Die meisten Vorlagen scheitern daran, dass sie zu gut gemeint sind. Vierzehn Pflichtfelder, drei Unterschriften, zwei Seiten — so etwas füllt niemand aus, der gerade im Auto sitzt.

Die folgenden sind absichtlich kurz. Jede passt auf eine halbe Seite oder in eine Aufgabe. Schreibt sie ab, kürzt sie weiter, und streicht jedes Feld, das dreimal hintereinander leer geblieben ist.

Was eine Vorlage leisten muss

Bevor es an die konkreten Muster geht, drei Eigenschaften, die über Erfolg oder Ablage entscheiden.

Sie muss unter zwei Minuten ausfüllbar sein. Alles darüber passiert nicht mehr nebenbei, sondern wird auf später verschoben — und später heißt nie.

Sie muss an dem Ort liegen, an dem gearbeitet wird. Eine Vorlage in einem Ordner auf dem Server wird nicht benutzt. Eine Vorlage, aus der sich mit einem Klick eine Aufgabe erzeugt, schon.

Sie muss Lücken erlauben. Pflichtfelder führen dazu, dass Leute etwas Falsches eintragen, nur um weiterzukommen. Ein leeres Feld ist eine ehrliche Information: Das weiß gerade niemand.

1. Übergabe an die nächste Schicht

Für alles, was weitergereicht wird: Schicht, Tour, Baustelle, Dienst. Warum dabei so viel verloren geht, steht unter Übergabe ohne Informationsverlust.

Übergabe · Datum · von wem an wen

Erledigt
Offen
Wartet auf worauf genau, und seit wann
Neu dazugekommen
Was du wissen solltest Zugang, Ansprechpartner, Eigenheiten, Stolperfallen

Die letzte Zeile ist die wichtigste und wird am häufigsten weggelassen. Dort steht das, was sonst nur in einem Kopf existiert: dass der Schlüssel beim Hausmeister liegt, dass der Kunde erst ab zehn erreichbar ist, dass die Zufahrt gesperrt war.

Bei „Wartet auf" gehört seit wann dazu. Ohne diese Angabe sammelt sich Blockiertes an, und niemand merkt, dass etwas seit drei Wochen liegt.

Tipp: Statt eines eigenen Formulars funktioniert das meistens besser als Kommentar an der Aufgabe selbst. Dann sucht später niemand nach dem Protokoll.

2. Besprechung in zehn Minuten

Für die Montagsrunde, das Tagesgespräch, den Wochenstart.

Nr. Frage Dauer
1 Was ist seit letztem Mal fertig geworden? 2 Min., nur Liste
2 Was hängt und warum? 4 Min.
3 Was ist diese Woche neu? 2 Min.
4 Wer braucht von wem etwas? 2 Min.

Danach: Jede genannte Sache hat einen Namen und ein Datum. Was keinen Namen bekommt, wird gestrichen.

Der letzte Satz ist die ganze Vorlage. Ohne ihn wird aus jeder Besprechung eine Sammlung guter Absichten – jede Sache braucht einen Namen und ein Datum.

Was nicht hineingehört: Diskussionen über das Wie. Wenn zwei Leute fünf Minuten über eine Lösung reden, machen sie das besser zu zweit, nicht vor sieben anderen. Der Satz dafür lautet: „Klärt ihr das danach?"

Was die Besprechung halbiert: Punkt 1 entfällt komplett, wenn Erledigtes auf dem Board sichtbar ist. Dann beginnt ihr direkt bei dem, was hängt.

3. Wochenplan für ein Team unterwegs

Für Teams, die nicht im Büro sitzen und morgens wissen müssen, wo sie hinfahren.

Woche [KW] · [Team]

Tag Wer Wo / Was Mitnehmen
Mo Nima Kundenportal, Abnahme vorbereiten Unterlagen, Laptop
Di Thomas Objekt Nordstraße, Aufmaß Messgerät, Leiter
Mi beide Messe Frühjahr, Stand aufbauen Werkzeugkiste
Do Nima Berger, Angebot besprechen Musterplatte
Fr Thomas Werkstatt, Restarbeiten –

Nicht vergessen: Termine, die nicht verschiebbar sind.

Unklar: was noch bestätigt werden muss, und von wem.

Die Zeilen oben sind ausgefüllt, damit man sieht, was in welche Spalte gehört — in eurer Fassung bleiben sie natürlich leer.

Die Spalte „Mitnehmen" spart die meisten Rückfahrten. Die Spalte „Unklar" ist der Unterschied zwischen einem Plan und einem Wunsch — und sie gehört freitags durchgegangen, nicht montags.

4. Einarbeitung: die ersten zwei Wochen

Für neue Leute, Aushilfen, Saisonkräfte und Azubis.

Zeitpunkt Was bis dahin passiert ist
Tag 1 Rundgang: wer ist wer, wo ist was · Zugänge geklärt: Schlüssel, Spind, Konten, App · eine echte Aufgabe zusammen mit dem Paten
Woche 1 Bei drei typischen Vorgängen dabei gewesen · weiß, wo nachzuschauen ist, bevor er fragt · hat einmal selbst etwas eingetragen
Woche 2 Arbeitet eine Aufgabe allein ab · kennt die drei häufigsten Fehler und warum sie passieren · Rückmeldung in beide Richtungen, 15 Minuten

Ein Pate ist wichtiger als ein Plan – dasselbe gilt bei der Einführung neuer Software. Wer nicht weiß, wen er fragen darf, fragt niemanden und rät stattdessen.

Die Zeile „Kennt die drei häufigsten Fehler" ist die wertvollste. Jeder Betrieb hat drei Dinge, die Neue regelmäßig falsch machen. Sie einmal auszusprechen spart Monate.

5. Urlaubsvertretung

Vertretung · wer ist wann weg · wer vertritt

Läuft weiter Vorgang, Stand in einem Satz, nächster Schritt
Kommt in der Zeit was anfällt, mit Datum
Entscheidet die Vertretung selbst bis zu welchem Betrag oder Umfang
Fragt im Zweifel Name, und wie erreichbar
Bei Rückkehr was sich geändert hat – füllt die Vertretung

Der dritte Block fehlt in fast jeder Urlaubsübergabe und ist der Grund, warum Vertretungen Dinge liegen lassen: Sie wissen nicht, was sie entscheiden dürfen.

Der fünfte Block ist die Umkehrung und spart am Rückkehrtag einen halben Vormittag.

6. Auftragsabschluss

Die Checkliste, die verhindert, dass drei Wochen später Rückfragen kommen.

Abschluss · Auftrag · Datum

  • Alle Arbeitsschritte abgehakt
  • Fotos vom Endzustand
  • Mängel oder Abweichungen festgehalten
  • Restmaterial zurück oder berechnet
  • Kunde hat bestätigt – wer, wann, wie
  • Unterlagen an die Abrechnung
  • Nächster Schritt, falls einer offen ist

Zeile vier und sechs werden am häufigsten vergessen und kosten am meisten Geld.

Jeder Auftrag

Abschluss prüfen

Zuständig
Wer zuletzt vor Ort war
Priorität
Normal
ArbeitsschritteFotos vom EndzustandMängel festgehaltenRestmaterial geklärtKunde bestätigtUnterlagen an die Abrechnung
Dieselbe Checkliste als Aufgabe – so wird sie tatsächlich abgearbeitet.

7. Mängel- und Nachfassliste

Für alles, was nicht sofort erledigt werden kann, aber nicht vergessen werden darf.

Mängel · [Objekt / Auftrag]

Nr. Was Wo genau Gemeldet von Seit Wer macht Erledigt
1 Heizung tropft Wohnung 12, Bad Frau Berger 2. Okt. Thomas offen
2 Licht fällt aus Treppenhaus EG Hausmeister 4. Okt. noch offen offen

Foto bei jedem Punkt. Erledigt heißt: nachgeschaut, nicht nur gemacht.

Die Spalte „Seit" ist entscheidend. Ohne sie sieht eine Liste mit fünf offenen Punkten gleich aus, egal ob sie zwei Tage oder vier Monate alt ist.

Der Satz am Ende verhindert den häufigsten Streitfall: Etwas gilt als erledigt, weil jemand es gemacht hat — aber niemand hat nachgesehen.

8. Materialliste für unterwegs

Material · Einsatz oder Tour · Datum

Brauchen wir sicher
Könnte gebraucht werden
Ist schon vor Ort
Fehlt noch oder ist bestellt wann kommt es, wer hat bestellt

Der dritte Block spart die meiste Zeit und wird am seltensten geführt. Wer nicht weiß, was schon vor Ort liegt, nimmt es zweimal mit — oder gar nicht.

9. Kundenanfrage aufnehmen

Für alles, was am Telefon oder an der Tür hereinkommt und nicht sofort beantwortet werden kann.

Anfrage · Datum und Uhrzeit · aufgenommen von

Wer Name, Firma, Rückrufnummer
Was in einem Satz, in den Worten des Kunden
Bis wann braucht der Kunde eine Antwort
Dringend ja oder nein, und warum
Nächster Schritt wer meldet sich, bis wann

Die Zeile „in den Worten des Kunden" klingt nebensächlich und verhindert den häufigsten Fehler: Wer eine Anfrage schon beim Aufschreiben in Fachsprache übersetzt, verliert Informationen, die später fehlen.

Die Zeile „Nächster Schritt" ist der Unterschied zwischen einer Notiz und einer Aufgabe. Ohne sie liegt die Anfrage herum, bis der Kunde noch einmal anruft.

10. Tagesabschluss unterwegs

Für alle, die abends nicht ins Büro zurückfahren. Zwei Minuten im Auto, bevor der Motor anspringt.

Tagesabschluss · Datum · Name

Fertig geworden
Nicht geschafft, und warum
Morgen zuerst
Brauche von jemandem wer, was, bis wann
Foto vom Stand

Diese Vorlage spart die meisten Abendanrufe. Der Block „Brauche von jemandem" ist der wichtigste: Er sorgt dafür, dass das Büro am nächsten Morgen schon etwas vorbereitet hat, statt erst um zehn zu erfahren, dass etwas fehlt.

Vorlagen für ganze Abläufe

Die stärkste Form einer Vorlage ist keine Liste, sondern ein fertiges Projekt. Wenn bei euch derselbe Ablauf immer wieder vorkommt — ein Standardauftrag, eine Veranstaltung, ein Onboarding, eine Wartung — lohnt es sich, ihn einmal sauber anzulegen und danach zu vervielfältigen.

Was in eine solche Ablaufvorlage gehört:

  • Alle Aufgaben in der richtigen Reihenfolge, mit Arbeitsschritten
  • Wer typischerweise zuständig ist, als Rolle, nicht als Name
  • Zeitlicher Abstand statt fester Termine – „drei Tage vor Beginn" statt „14. März"
  • Die zwei Stellen, an denen es erfahrungsgemäß hakt, als Hinweis in der Aufgabe

Der Gewinn ist größer als bei jedem Formular: Ein Ablauf, der sonst zwanzig Minuten Planung kostet, steht in zwei Minuten — und zwar vollständig, auch die Punkte, die man beim fünften Mal gerne vergisst.

Der häufigste Fehler dabei ist, die Vorlage zu detailliert zu machen. Eine Ablaufvorlage mit vierzig Aufgaben wird beim ersten Einsatz zur Hälfte gelöscht. Zwölf bis fünfzehn sind meistens genug.

Papier oder digital?

Eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt — aber nach einem klaren Muster.

Worum es geht Papier gewinnt Digital gewinnt
Ausfüllen vor Ort schneller, auch mit Handschuhen langsamer, braucht saubere Finger
Wiederfinden unmöglich ab zwanzig Blatt Suche in Sekunden
Weitergeben nur persönlich sofort bei allen
Fotos dazu gar nicht selbstverständlich
Ausfall Zettel geht verloren Gerät ist leer

In der Praxis bewährt sich eine Mischung: Was einmal gebraucht wird und sofort weg kann, darf auf Papier. Was wiedergefunden werden muss, gehört ins System.

Der häufigste Fehler ist die Kombination aus beidem in der falschen Reihenfolge: erst auf Papier, dann abends abtippen. Das passiert an ungefähr jedem dritten Abend nicht — und dann fehlt die Information doppelt, weil auch der Zettel weg ist.

Wann eine Vorlage schadet

Nicht jedes wiederkehrende Thema braucht ein Formular. Drei Fälle, in denen eine Vorlage mehr kaputt macht, als sie hilft:

Wenn der Vorgang selten ist. Etwas, das viermal im Jahr vorkommt, wird jedes Mal neu nachgedacht — und das ist richtig so. Eine Vorlage dafür zu pflegen kostet mehr, als sie je einspart.

Wenn sie Denken ersetzt. Eine Mängelliste mit vorgegebenen Kategorien führt dazu, dass Dinge in die nächstpassende Schublade wandern statt richtig beschrieben zu werden.

Wenn sie zum Nachweis wird. Sobald eine Vorlage dazu dient zu belegen, dass jemand etwas getan hat, wird sie ausgefüllt, um auszusehen wie ausgefüllt. Der Informationswert geht dabei verloren.

Wie ihr Vorlagen benutzt, ohne dass sie Ballast werden

Nicht als eigenes Dokument. Eine Vorlage, die in einem Ordner liegt, wird nicht benutzt. Legt sie als Aufgabenvorlage an, dann entsteht sie mit einem Klick dort, wo gearbeitet wird.

Kürzt nach vier Wochen. Jedes Feld, das viermal leer blieb, fliegt raus. Jedes Feld, das immer dasselbe enthält, wird zur Voreinstellung statt zur Frage.

Eine Vorlage pro Anlass, nicht pro Abteilung. Sobald es zwei Fassungen desselben Formulars gibt, benutzt jeder die, die er zuerst findet.

Keine Unterschriften, wo keine nötig sind. Eine Unterschrift macht aus einer Notiz ein Dokument — und aus einer Minute fünf.

Eine Person pflegt sie. Wenn jeder Vorlagen ändern darf, gibt es nach einem halben Jahr fünf Fassungen. Wenn niemand sie ändern darf, veralten sie.

Der Vorlagen-Test nach vier Wochen

Nehmt euch zwanzig Minuten und geht jede Vorlage mit drei Fragen durch:

Frage Wenn ja
Welche Felder waren meistens leer? Streichen
Welche enthielten immer dasselbe? Voreinstellung statt Frage
Was hat trotzdem gefehlt? Ein Feld ergänzen, höchstens eines

Nach zwei solchen Durchgängen hat eine Vorlage die Form, die zu euch passt — und nicht die, die jemand sich am Schreibtisch ausgedacht hat.

Häufige Fragen

Wie lang darf eine Vorlage sein?

So lang, dass sie in unter zwei Minuten ausgefüllt ist. Alles darüber passiert nicht mehr nebenbei und wird auf später verschoben – und später heißt in der Praxis nie.

Sollen Felder Pflicht sein?

Nein. Pflichtfelder führen dazu, dass Leute etwas Falsches eintragen, nur um weiterzukommen. Ein leeres Feld ist eine ehrliche Information.

Wo sollten Vorlagen liegen?

Dort, wo gearbeitet wird – am besten als Aufgabenvorlage, aus der sich mit einem Klick eine echte Aufgabe erzeugen lässt. Vorlagen in einem Ordner auf dem Server werden nicht benutzt.

Brauchen wir für jede Abteilung eigene Vorlagen?

Besser nicht. Eine Vorlage pro Anlass reicht. Sobald es zwei Fassungen desselben Formulars gibt, benutzt jeder die, die er zuerst findet – und nichts ist mehr vergleichbar.

Wie oft sollte man Vorlagen überarbeiten?

Einmal nach vier Wochen, danach halbjährlich. Streicht jedes Feld, das meistens leer blieb, und macht jedes Feld zur Voreinstellung, das immer dasselbe enthielt.

Was gehört in eine Übergabe, was nicht?

Nur Abweichungen: erledigt, offen, blockiert mit Datum, neu dazugekommen – und das, was euch selbst überrascht hat. Der Normalzustand gehört nicht hinein.

Brauchen wir Unterschriften auf unseren Vorlagen?

Nur dort, wo sie rechtlich gefordert sind, etwa bei einer Abnahme. Überall sonst macht eine Unterschrift aus einer Notiz ein Dokument und aus einer Minute fünf.

Zusammengefasst

  • Kurz schlägt vollständig. Was nicht in zwei Minuten ausgefüllt ist, wird nicht ausgefüllt.
  • Die wertvollste Zeile jeder Übergabe ist „Was du wissen solltest".
  • Bei allem Blockierten gehört seit wann dazu.
  • Eine Besprechung ohne Namen und Datum hinter jedem Punkt ist eine Sammlung guter Absichten.
  • Vertretungen brauchen vor allem zu wissen, was sie selbst entscheiden dürfen.
  • Vorlagen gehören dorthin, wo gearbeitet wird, nicht in einen Ordner.
  • Streicht nach vier Wochen jedes Feld, das leer geblieben ist — und ergänzt höchstens eines.